Der Pflichtbeitrag zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (Rundfunkbeitrag, ehemals GEZ) basiert auf dem Rundfunkbeitragsstaatsvertrag (RBStV). Die Einziehung und Verwaltung der Beiträge obliegt der Gemeinschaftseinrichtung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten — dem ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice.
- Szenario „Sie beziehen Bürgergeld, Grundsicherung oder BAföG“: Gesetzlich (§ 4 RBStV) haben Sie einen Rechtsanspruch auf 100 % Befreiung von der Beitragspflicht. Füllen Sie das Online-Formular auf der Website aus, drucken Sie den Antrag aus und senden Sie ihn unterschrieben zusammen mit Ihrem Bewilligungsbescheid per Post. → Befreiungstatbestände und Ermäßigungen
- Szenario „Sie wohnen mit Familie oder in einer Wohngemeinschaft (WG)“: In Deutschland gilt das strikte Prinzip „Eine Wohnung — ein Beitrag“ (§ 2 RBStV). Zahlt ein volljähriger Mitbewohner bereits den Beitrag oder ist befreit, müssen weitere Bewohner nicht zahlen. Es genügt, dem Beitragsservice die bestehende Beitragsnummer schriftlich mitzuteilen. → Haushaltsprinzip: Eine Wohnung — ein Beitrag
- Szenario „Frist versäumt und Mahnung erhalten“: Das Gesetz erlaubt eine rückwirkende Befreiung für bis zu 3 Jahre rückwirkend (§ 4 Abs. 4 RBStV), sofern Sie in diesem Zeitraum durchgehend Anspruch auf Sozialleistungen hatten. → Schritt-für-Schritt-Verfahren und Nachzahlung
- Wichtigste Warnung: Ignorieren Sie Briefe des Beitragsservice keinesfalls. Das Nichtreagieren führt zu Festsetzungsbescheiden, Zwangsvollstreckungsmaßnahmen (Zwangsvollstreckung), Kontopfändungen durch Gerichtsvollzieher und negativen SCHUFA-Einträgen. → Folgen bei Nichtzahlung und Vollstreckung
1. Rechtsgrundlage und Wesen des Rundfunkbeitrags
Der Rundfunkbeitrag ist weder ein kommerzielles Abonnement noch eine gerätebezogene Steuer. Seine verfassungsrechtliche Aufgabe ist die staatsferne und unabhängige Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ARD, ZDF, 3sat, Deutschlandfunk, Landesrundfunkanstalten wie WDR, NDR, BR, SWR, MDR, rbb, hr).
Wesentliche Merkmale:
- Beitragshöhe: Der gesetzliche Regelsatz beträgt derzeit 18,36 € monatlich pro Wohnung (220,32 € pro Jahr).
- Melderegisterabgleich: Die Meldebehörden (Bürgeramt / Einwohnermeldeamt) übermitteln Zuzugsdaten automatisch an den Beitragsservice. Daher erhält jeder Bürger kurz nach der Wohnsitzanmeldung ein automatisches Anschreiben.
- Geräteunabhängige Abgabe: Der Beitrag fällt an, unabhängig davon, ob in der Wohnung Fernsehgeräte, Radios oder internetfähige Endgeräte vorhanden sind oder genutzt werden. Maßgeblich ist allein das Innehaben einer Wohnung.
2. Haushaltsprinzip: Eine Wohnung — ein Beitrag
Nach § 2 Abs. 1 RBStV ist jeder volljährige Wohnungsinhaber beitragspflichtig. Für jede Wohnung (pro Wohnung) muss der Beitrag jedoch nur einmal gezahlt werden:
- Familien und Ehepaare: Nur eine volljährige Person meldet sich beim Beitragsservice an. Ehepartner und volljährige Kinder zahlen keinen gesonderten Beitrag, solange sie gemeinsam dort wohnen.
- Wohngemeinschaften (WG):
- Die Mitbewohner einer WG bestimmen intern eine Person, auf deren Namen das Beitragskonto geführt wird;
- Der Hauptzahler zahlt per Lastschrift oder Überweisung, die Mitbewohner beteiligen sich anteilig an den Kosten;
- Erhalten andere Mitbewohner Briefe vom Beitragsservice, füllen diese das Formular aus, kreuzen „Für diese Wohnung zahlt bereits ein Mitbewohner“ an und geben dessen 9-stellige Beitragsnummer an.
- Zimmer in Wohnheimen: Handelt es sich um ein separat abschließbares Zimmer, das von einem allgemein zugänglichen Flur abgeht, gilt es als eigenständige Wohnung (§ 3 RBStV). Bei geteilten Wohnungen (Mehr-Zimmer-Appartements mit gemeinsamer Eingangstür) fällt der Beitrag nur einmal für die Einheit an.
3. Befreiung von der Beitragspflicht (Befreiung) und Ermäßigungen
Das Gesetz legt einen abschließenden Katalog von Befreiungsgründen fest:
| Begünstigte Personengruppe | Gesetzliche Grundlage | Art der Vergünstigung | Nachweisdokument |
|---|---|---|---|
| Empfänger von Bürgergeld | SGB II | 100 % Befreiung | Aktueller Bewilligungsbescheid |
| Empfänger von Grundsicherung / Hilfe zum Lebensunterhalt | SGB XII | 100 % Befreiung | Bescheid des Sozialamtes |
| Leistungsberechtigte nach AsylbLG | AsylbLG | 100 % Befreiung | AsylbLG-Bescheid |
| Studierende und Auszubildende mit BAföG / BAB | BAföG / SGB III | 100 % Befreiung | BAföG-Bescheid (bei getrenntem Haushalt von Eltern) |
| Schwerbehinderte Menschen mit Merkzeichen „RF“ | § 4 Abs. 2 RBStV | Ermäßigung um 66 % (6,12 €/Monat) | Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen RF |
| Taubblinde und Empfänger von Blindenhilfe | § 4 Abs. 1 Nr. 10 RBStV | 100 % Befreiung | Ärztlicher Nachweis / Pflegebescheid |
Keine Befreiung erhalten Bezieher von regulärem Arbeitslosengeld (ALG I), Bezieher von Wohngeld (Wohngeld) und Studierende ohne BAföG-Leistungen. Überschreitet Ihr Einkommen die Bürgergeld-Grenze um weniger als 18,36 €, können Sie eine Härtefallbefreiung beantragen (Härtefallregelung nach § 4 Abs. 6 RBStV).
4. Schritt-für-Schritt-Verfahren zur Befreiung
Die Beantragung der Befreiung erfolgt in vier Schritten:
- Online-Formular ausfüllen: Rufen Sie
rundfunkbeitrag.deauf und wählen Sie den Bereich «Befreiung oder Ermäßigung beantragen». Tragen Sie Ihre Daten und die Beitragsnummer ein. - Formular ausdrucken und unterschreiben: Das System erzeugt ein vorausgefülltes PDF. Drucken Sie dieses aus und unterschreiben Sie eigenhändig mit einem Stift (Anträge ohne Originalunterschrift sind unwirksam).
- Nachweise beifügen:
- Fügen Sie eine gut lesbare Kopie des vollständigen Bewilligungsbescheids (z. B. vom Jobcenter) bei;
- Senden Sie keine Originale ein! Verwenden Sie Kopien oder die vom Amt ausgestellte Bescheinigung zur Vorlage beim Beitragsservice.
- Per Post versenden: Senden Sie die Unterlagen per Post oder Einschreiben an:
ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice
50656 Köln
Rückwirkende Befreiung für bis zu 3 Jahre:
Gemäß § 4 Abs. 4 RBStV wirkt ein Befreiungsantrag rückwirkend. Wer die Meldung beim Bezug von Bürgergeld versäumt hat, kann den Antrag für bis zu 3 Jahre rückwirkend stellen, sofern die Bescheide lückenlos beigefügt werden.
5. Folgen bei Nichtzahlung und Vollstreckung
Das Nichtzahlen und Ignorieren von Schreiben führt zu automatisierten Vollstreckungsverfahren:
- Zahlungserinnerung: Kostenfreie Zahlungsaufforderung mit 14-tägiger Zahlungsfrist.
- Festsetzungsbescheid: Amtlicher Bescheid mit Säumniszuschlag (1 % der Beitragsschuld, mindestens 8,00 €). Gegen diesen Bescheid kann innerhalb eines Monats Widerspruch eingelegt werden.
- Zwangsvollstreckung: Vollstreckungsersuchen an die Stadtkasse oder den Gerichtsvollzieher. Es drohen Wohnungsbesuche zur Sachpfändung und Kontopfändungen (Kontopfändung).
- Negative SCHUFA-Einträge: Fortdauernde Vollstreckungen werden an Auskunfteien gemeldet, was die Kreditwürdigkeit schwer beeinträchtigt.
Beratungsstellen und Unterstützung
Die Veröffentlichungen von Nodia dienen ausschließlich Informationszwecken (keine Rechtsberatung im Sinne des RDG). Wenden Sie sich bei Streitigkeiten an folgende Beratungsstellen:
- ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice: Offizielle Informationsplattform, Wohnungsanmeldung und Downloadformulare (rundfunkbeitrag.de).
- Jobcenter und Sozialamt: Ausstellung von Bescheinigungen zur Vorlage beim Beitragsservice für den 100%igen Befreiungsanspruch.
- Verbraucherzentrale: Beratung bei ungerechtfertigten Mahnungen, unklaren Beitragsforderungen nach Auszug oder Problemen in Wohngemeinschaften (verbraucherzentrale.de).
- Amtsgericht (Beratungshilfe): Erteilung eines Beratungshilfescheins für eine anwaltliche Beratung bei Pfändungsandrohungen für 15 € (service.justiz.de/beratungshilfe).
Informationsquellen
- Rundfunkbeitragsstaatsvertrag (RBStV): Staatsvertrag über den Rundfunkbeitrag
- ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice: Offizieller Online-Befreiungsantrag
- SGB II: Zweites Buch Sozialgesetzbuch (Rechtsgrundlage bei Bürgergeldbezug)
- SGB XII: Zwölftes Buch Sozialgesetzbuch (Rechtsgrundlage bei Grundsicherung)
- Verbraucherzentrale: Wissenswertes zum Rundfunkbeitrag und Mieterrechte
- Justiz-Services (BMJ): Online-Antrag auf Beratungshilfe